DIBL vs. GIDL vs. Punch-Through: Ort, Ursache, Id-Vg-Kennlinie, Abhilfe
DIBL, GIDL und Punch-Through betreffen alle Leckströme, die fließen, wenn ein Transistor eigentlich sperren sollte, entstehen aber an verschiedenen Orten und aus verschiedenen Gründen. DIBL (Drain Induced Barrier Lowering) tritt auf, wenn das Gate so kurz ist, dass das Drainfeld bis zur Sourceseite reicht und die Potenzialbarriere zwischen Source und Kanal absenkt; die Schwellenspannung sinkt daher mit steigender Drainspannung. Punch-Through tritt auf, wenn die Raumladungszonen von Source und Drain verschmelzen und Strom tief im Substrat fließt, außerhalb der Reichweite des Gates; man kann es als extreme Form von DIBL sehen. GIDL (gateinduzierter Drain-Leckstrom) ist ein Band-zu-Band-Tunnelstrom, den das starke Feld dort antreibt, wo das Gate den Drain überlappt; er hängt stärker von der Gate-Drain-Spannung ab als davon, wie kurz das Gate ist.
| Merkmal | DIBL | GIDL | Punch-Through |
|---|---|---|---|
| Wo es auftritt | Am sourceseitigen Ende des Kanals nahe der Oberfläche, wo die Source-Kanal-Potenzialbarriere abgesenkt wird | Im Drain nahe der Oberfläche, wo das Gate ihn überlappt (Drainrand) | Im Substrat unterhalb des Kanals, wo die Raumladungszonen von Source und Drain verschmelzen |
| Vorspannung, die es hervorruft | Sperrzustand oder nahe der Schwelle, bei hoher Drainspannung | Sperrzustand mit großer Gate-Drain-Spannung (bei nMOS Gate auf 0 V oder negativ und Drain hoch) | Hohe Drainspannung; nahezu unabhängig von der Gatespannung |
| Physikalische Ursache | Das Drainfeld reicht bis zur Source und übernimmt einen Teil der Kontrolle über die Barrierenhöhe vom Gate (ein zweidimensionaler elektrostatischer Effekt) | Das starke Feld verbiegt die Bänder stark, und Elektronen tunneln vom Valenzband ins Leitungsband (Band-zu-Band-Tunneln); bei nMOS gehen die Elektronen zum Drain und die Löcher zum Body | Die Drain-Raumladungszone verbindet sich mit der Source-Raumladungszone, die Barriere im Substrat verschwindet, und Ladungsträger fließen direkt von Source zu Drain |
| Erscheinungsbild in Id-Vg | Eine höhere Drainspannung verschiebt die Unterschwellenkurve nach links (zu niedrigerer Gatespannung), sichtbar als niedrigere Schwellenspannung und höherer Sperrstrom | Wird die Gatespannung unter die Schwelle gedrückt, sinkt der Drainstrom zunächst und steigt dann wieder an (ein Wiederanstieg auf der Seite niedriger Gatespannung) | Die Unterschwellensteigung wird flach, und eine niedrigere Gatespannung senkt den Strom nicht genug, um das Bauelement abzuschalten |
| Erscheinungsbild in Id-Vd | Der Strom steigt auch in der Sättigung mit der Drainspannung weiter an (geringerer Ausgangswiderstand) | Im Sperrzustand steigt der Strom mit der Drainspannung, umso stärker, je niedriger die Gatespannung ist | Oberhalb einer bestimmten Drainspannung steigt der Strom unabhängig von der Gatespannung steil an |
| Abhängigkeit von der Gatelänge (Lg) | Stark: größer bei kürzerer Gatelänge | Schwach: tritt am Drainrand auf und wird vor allem von anderen Faktoren bestimmt (Feldstärke, Dotierung am Drainrand, Dicke des Gate-Dielektrikums) | Sehr stark: wahrscheinlicher bei kurzen Gates und schwach dotierten Substraten |
| Abhängigkeit von der Spannung | Die Schwellenspannung sinkt etwa proportional zur Drainspannung; oft in mV/V angegeben | Steigt steil mit der Gate-Drain-Spannung (Vdg) | Steigt steil mit der Drainspannung; das Gate hat fast keine Kontrolle |
| Wichtigste Gegenmaßnahmen | Dünneres Gate-Dielektrikum (High-k), flache Extensions, Halo-Implantation (Pocket-Implantation), dünne Bodies (FD-SOI, FinFET, GAA) | Ein flacheres Dotierprofil am Drainrand (etwa eine LDD-Struktur), optimierte Gate-Drain-Überlappung, Begrenzung der Gate-Drain-Spannung | Höhere Substratdotierung (Punch-Through-Stopper-Implantation), Halo-Implantation (Pocket-Implantation), flache Übergänge, retrograde Wannen, Strukturen ohne tiefen Strompfad (SOI, FinFET, GAA) |
| Wo es wichtig ist | Logiktransistoren mit kurzem Gate allgemein: Standby-Leckstrom und geringere Verstärkung in Analogschaltungen | Bauelemente, die extrem geringen Sperrleckstrom brauchen, etwa DRAM-Zelltransistoren, und Schaltungen, die Transistoren mit negativer Gatespannung abschalten | Transistoren mit zu kurzen Gates oder Bauelemente mit hoher Drainspannung; es setzt die Grenzen für nutzbare Gatelänge und Spannung |
Die Zahlenwerte sind typische Größenordnungen und variieren je nach Prozessgeneration und Produkt.