Scan-Test vs. BIST: die wichtigsten Unterschiede

Beim Scan-Test werden die Flipflops im Chip zu Schieberegistern (Scan-Ketten) verbunden; ein externer Tester schiebt Testmuster hinein, liest die Antwort der Schaltung heraus und vergleicht sie mit den Sollwerten. Die Muster erzeugt ein ATPG-Werkzeug aus der Netzliste. Beim BIST sind Schaltungen zur Mustererzeugung und zur Ergebnisbewertung im Chip integriert, und der Chip testet sich selbst. Im Produktionstest ist die Kombination aus Scan-Test für die Logik und Speicher-BIST für eingebettete Speicher üblich; BIST eignet sich zudem für die Selbstdiagnose nach der Auslieferung.

MerkmalScan-TestBIST (Built-in Self-Test)
GrundprinzipFlipflops werden zu Scan-Ketten verbunden; Muster werden hineingeschoben, die Schaltung wird einmal getaktet, und das Ergebnis wird herausgeschoben und verglichenSchaltungen zur Mustererzeugung und Antwortbewertung sind im Chip integriert; der Chip testet sich selbst und meldet Bestanden/Nicht bestanden
Erzeugung der TestmusterATPG erzeugt aus der Netzliste deterministische Muster, die gezielt Haftfehler und Transition-Delay-Fehler adressierenLogik-BIST erzeugt pseudozufällige Muster mit einem LFSR. Speicher-BIST erzeugt Adressen und Daten nach festen Abläufen wie March-Tests
Bewertung der AntwortDer Tester vergleicht mit den Sollwerten (bei Testkompression werden im Chip komprimierte Antworten verglichen)Logik-BIST komprimiert die Antworten mit einem MISR zu einer Signatur und vergleicht sie mit dem Sollwert. Speicher-BIST prüft die gelesenen Werte direkt mit einem Komparator
Abhängigkeit vom TesterMuster und Sollwerte liegen im Testerspeicher. Scan-Pins sowie Leistung und Speicherkapazität des Testers sind erforderlichNur Start und Auslesen des Ergebnisses (z. B. über JTAG) nötig; ein einfacher Tester genügt
HauptzielLogikschaltungen (kombinatorische Logik und Flipflops)Speicher-BIST: eingebettete Speicher wie SRAM. Logik-BIST: Logikschaltungen
FehlerabdeckungLeicht hoch zu erreichen, da die Muster gezielt auf Fehler erzeugt werdenBei Logik-BIST bleiben leicht Fehler übrig, die pseudozufällig schwer zu finden sind; Ausgleich durch Einfügen von Testpunkten. Speicher-BIST erreicht mit auf Speicherfehlermodelle abgestimmten Abläufen eine hohe Abdeckung
ZusatzschaltungenFlipflops werden durch Scan-Flipflops (mit Umschalt-Multiplexer) ersetzt, und die Kettenverdrahtung kommt hinzuMustergenerator, Antwortkompressor und Steuerschaltung sind nötig. Bei Logik-BIST muss die Schaltung zudem so angepasst werden, dass keine unbestimmten Werte (X) entstehen
TestzeitBei langen Ketten dauert das Schieben lange und ist durch die Testergeschwindigkeit begrenzt. Testkompression verkürzt sieMit dem chipinternen Takt lassen sich viele Muster schnell durchlaufen. Logik-BIST benötigt eine große Zahl von Mustern
EinsatzzeitpunktVor allem im Wafertest und Endtest der Serienfertigung. Auch für die Fehlerdiagnose defekter BauteileNeben dem Produktionstest auch für Prüfungen nach der Bestückung auf der Leiterplatte und zur Selbstdiagnose nach der Auslieferung, etwa beim Einschalten

Die Zahlenwerte sind typische Größenordnungen und variieren je nach Prozessgeneration und Produkt.

Wann welche Variante?

Scan-Test
Wenn im Produktionstest strukturelle Logikfehler mit hoher Abdeckung gefunden werden sollen oder bei ausgefallenen Chips der Fehlerort eingegrenzt werden soll.
BIST
Für den Test eingebetteter Speicher, die von außen schwer direkt zugänglich sind; wenn Testerpins oder Testerspeicher eingespart werden sollen; wenn wie im Automobilbereich nach der Auslieferung eine Selbstdiagnose beim Einschalten oder vor der Fahrt nötig ist.
Kombination
In realen Chips ist es üblich, für die Logik den Scan-Test (mit Testkompression) und für Speicher den Speicher-BIST einzusetzen. Auch Logik-BIST baut auf Scan-Ketten auf.

Häufige Fragen

Ist mit BIST kein Scan-Test mehr nötig?

Viele Chips nutzen beides. Da Logik-BIST pseudozufällige Muster verwendet, bleiben leicht schwer zu findende Fehler übrig; im Produktionstest sichert man daher üblicherweise eine hohe Fehlerabdeckung durch Scan-Tests mit ATPG-Mustern. Speicher werden wegen ihrer regelmäßigen Struktur mit Speicher-BIST getestet.

Wie hängen Logik-BIST und Scan-Test zusammen?

Auch Logik-BIST nutzt Scan-Ketten. Vom LFSR erzeugte Muster werden in die Ketten geschoben, die Schaltung wird getaktet, die ausgegebenen Antworten werden im MISR komprimiert, und die am Ende entstehende Signatur wird mit dem Sollwert verglichen. Das Scan-Design bildet die Grundlage.

Warum wird für eingebettete Speicher so oft BIST verwendet?

Im Chip eingebettete Speicher sind über externe Pins schwer direkt zu lesen und zu beschreiben, und dank ihrer regelmäßigen Struktur lassen sich Adressen und Daten nach festen Abläufen wie March-Tests mit einer kleinen Schaltung erzeugen. Häufig wird dies mit einer Reparatur kombiniert, bei der gefundene defekte Bits durch Reservezeilen oder -spalten ersetzt werden.

Warum führen Automobil-Chips beim Einschalten einen BIST aus?

Um Fehler, die nach der Auslieferung entstanden sind, sowie latente Fehler zu finden, die im normalen Betrieb nicht in Erscheinung treten. Da der Chip den BIST ohne Tester selbst ausführen kann, eignet er sich für die Selbstdiagnose im Fahrzeug.

Verständnis prüfen

Welche Aussage zum Scan-Design, einer Methode des Design for Test (DFT), ist richtig?

  1. ADie Chipoberfläche wird mit einem optischen Mikroskop abgetastet, um Defekte zu suchen
  2. BBeim Test wird die Versorgungsspannung allmählich erhöht, um die Betriebsgrenze zu ermitteln
  3. CDie Flipflops der Schaltung werden wie ein Schieberegister verbunden, sodass sich der interne Zustand leicht setzen und beobachten lässt
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Antwort: C. Die Flipflops der Schaltung werden wie ein Schieberegister verbunden, sodass sich der interne Zustand leicht setzen und beobachten lässt

Beim Scan-Design erhält jedes Flipflop am Eingang einen Umschalt-Selektor; im Testbetrieb werden alle zu einer Kette (Scan-Kette) verbunden, sodass sich von außen beliebige Werte einschieben und interne Werte herausschieben lassen. Da der Test sequentieller Schaltungen durch den Test kombinatorischer Schaltungen ersetzt wird, können mit ATPG automatisch Muster mit hoher Fehlerabdeckung erzeugt werden. Mikroskopabtastung und Spannungsdurchlauf sind etwas anderes.

Welche Aussage zu BIST (Built-In Self-Test) ist richtig?

  1. AAlle Tests werden allein mit einem externen Tester durchgeführt
  2. BSchaltungen für den Test sind in den Chip eingebaut, und der Chip testet sich selbst
  3. CDas Aussehen wird mit menschlichen Augen geprüft
Antwort und Erläuterung anzeigen

Antwort: B. Schaltungen für den Test sind in den Chip eingebaut, und der Chip testet sich selbst

BIST ist ein Verfahren, bei dem Schaltungen zur Erzeugung von Testmustern und zur Auswertung der Ergebnisse im Chip integriert sind und der Chip den Test selbst ausführt. MBIST für Speicher erzeugt schnell Muster wie March-Tests, LBIST für Logikschaltungen verwendet Pseudozufallsmuster. Es verringert die Abhängigkeit von teuren Testern und die Testzeit, und im Automobilbereich bietet es den Vorteil, bei jedem Einschalten auch nach der Auslieferung eine Selbstdiagnose durchführen zu können.

Wie heißt die automatische Erzeugung von Testmustern zur Fehlererkennung aus der Netzliste einer Schaltung?

  1. ADRC
  2. BATPG (Automatic Test Pattern Generation)
  3. CCTS
Antwort und Erläuterung anzeigen

Antwort: B. ATPG (Automatic Test Pattern Generation)

ATPG ist eine Technik, die auf Basis von Fehlermodellen wie Haftfehlern aus der Netzliste automatisch Eingangsmuster erzeugt, mit denen sich jeder Fehler bis zum Ausgang fortpflanzen und erkennen lässt. In Kombination mit Scan-Design können auch für Schaltungen mit Hunderten Millionen Gattern effizient Muster mit hoher Fehlerabdeckung erstellt werden. DRC ist die Prüfung der Entwurfsregeln des Layouts, CTS die Synthese des Taktbaums; beides sind Entwurfsprozesse.

  1. Welche Definition der Fehlerabdeckung (Fault Coverage) von Testmustern ist richtig?
  2. Wie heißt die Technik, bei der zur Verringerung von Datenmenge und Testzeit des Scan-Tests Testmuster im Chip entpackt und die Antworten komprimiert werden?
  3. Was ist aus Sicht der Funktionalen Sicherheit der Hauptzweck, bei Kfz-Mikrocontrollern beim Einschalten oder vor Fahrtantritt Logik-BIST oder Speicher-BIST auszuführen?

Übungsfragen zu Test und Prüfung

Wichtige Begriffe erklärt

Scan-Test
Testverfahren, bei dem die Flipflops der Schaltung zu Scan-Ketten verbunden werden, um interne Zustände zu setzen und zu beobachten.
BIST (eingebauter Selbsttest)
Verfahren, bei dem Testschaltungen im Chip integriert sind und der Chip Testmuster selbst erzeugt und das Ergebnis selbst bewertet. Weit verbreitet z. B. beim Speichertest.
ATPG (automatische Testmustergenerierung)
Automatische Erzeugung von Testmustern zur Fehlererkennung aus der Netzliste einer Schaltung. Wird in Kombination mit Scan-Design eingesetzt.
Fehlerabdeckung (Fault Coverage)
Anteil der angenommenen Fehler, die das Testmuster erkennen kann. Je höher, desto seltener werden defekte Teile übersehen.
DFT (Design for Testability)
Entwurfsmethode, bei der Strukturen wie Scan-Ketten oder BIST von vornherein in die Schaltung integriert werden, um sie leichter testbar zu machen.

Verwandte Vergleiche