Durchlassvorspannung vs. Sperrvorspannung: Raumladungszone, Barriere, Strom, Kapazität und Einsatz
Eine PN-Diode verhält sich je nach Richtung der angelegten Spannung sehr unterschiedlich. Bei Durchlassvorspannung liegt die p-Seite auf positivem und die n-Seite auf negativem Potenzial. Die Potenzialbarriere des Übergangs sinkt, Majoritätsladungsträger werden über den Übergang auf die andere Seite injiziert, und der Strom steigt exponentiell mit der Spannung. Bei Sperrvorspannung liegt die p-Seite auf negativem und die n-Seite auf positivem Potenzial. Die Barriere steigt, die Raumladungszone wird breiter, und es fließt nur ein winziger Sperrstrom. Die Durchlassrichtung dient zum Gleichrichten und zur Lichterzeugung in LEDs, die Sperrrichtung zur Lichtdetektion, für spannungsabhängige Kapazitäten und, mit dem Durchbruch, zur Spannungsstabilisierung.
| Merkmal | Durchlassvorspannung | Sperrvorspannung |
|---|---|---|
| Polung der Spannung | p-Seite (Anode) positiv, n-Seite (Kathode) negativ | p-Seite (Anode) negativ, n-Seite (Kathode) positiv |
| Weite der Raumladungszone | Schmaler; proportional zu √(Vbi − V), wobei Vbi die Diffusionsspannung ist | Breiter; proportional zu √(Vbi + VR). Ist VR viel größer als die Diffusionsspannung, ergibt die vierfache Spannung etwa die doppelte Weite |
| Höhe der Potenzialbarriere | Sinkt auf q(Vbi − V) | Steigt auf q(Vbi + VR) |
| Strom und Ladungsträgerbewegung | Majoritätsladungsträger überwinden die Barriere, werden auf die andere Seite injiziert und diffundieren dort als Minoritätsladungsträger (Diffusionsstrom) | Ein sehr kleiner Strom aus thermisch erzeugten Minoritätsladungsträgern, die in und nahe der Raumladungszone vom Feld abgesaugt werden |
| Strom-Spannungs-Beziehung | I ≈ Is·exp(qV/nkT). Mit dem Idealitätsfaktor n = 1 steigt der Strom bei Raumtemperatur etwa alle 60 mV auf das 10-Fache. Silizium leitet typischerweise ab etwa 0,6 bis 0,7 V nennenswert | Ein kleiner, nahezu spannungsunabhängiger Strom (ideal −Is; in der Praxis kommt der Generationsstrom in der Raumladungszone hinzu). Er steigt mit der Temperatur stark an |
| Dominierende Kapazität | Diffusionskapazität aus den gespeicherten injizierten Minoritätsladungsträgern; sie wächst etwa proportional zum Strom (Cd ≈ τI/(nkT/q)) | Sperrschichtkapazität (Verarmungskapazität), C = εA/W; sie sinkt mit steigender Sperrspannung |
| Zahlenbeispiel (abrupter Übergang, p-Seite 1×10¹⁹ cm⁻³, n-Seite 1×10¹⁶ cm⁻³, Raumtemperatur, Näherung der Raumladungszone) | Diffusionsspannung etwa 0,89 V. Weite der Raumladungszone etwa 0,34 µm bei 0 V und etwa 0,23 µm bei 0,5 V Durchlassvorspannung | Weite der Raumladungszone etwa 0,87 µm bei 5 V Sperrvorspannung und etwa 1,6 µm bei 20 V. Die Sperrschichtkapazität bei 5 V beträgt etwa das 0,39-Fache des Werts bei 0 V |
| Durchbruch | Tritt nicht auf; bei hohem Strom begrenzen Bahnwiderstand und Erwärmung den Strom | Oberhalb einer bestimmten Spannung steigt der Strom durch Lawinen- oder Zener-Durchbruch steil an |
| Typischer Einsatz | Leitende Richtung in Gleichrichterschaltungen, Lichtemission in LEDs und Laserdioden, Basis-Emitter-Übergang eines Bipolartransistors, Temperatursensoren | Fotodioden, Kapazitätsdioden (Varaktoren), Zener-Dioden (im Durchbruch betrieben), Lawinenfotodioden, Sperrschichtisolation zwischen Bauelementen |
Die Zahlenwerte sind typische Größenordnungen und variieren je nach Prozessgeneration und Produkt.